Tübingen gewinnt den 1. Preis beim Gender Award

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von STPm
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Die Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen hat der Universitätsstadt Tübingen den Gender Award in der Kategorie der Kommunen mit weniger als 100.000 Einwohner_innen verliehen. Oberbürgermeister Boris Palmer und die städtische Gleichstellungsbeauftragte Luzia Köberlein haben den Preis am Montag, 6. Februar, im Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend in Berlin entgegengenommen. Die diesjährige Schirmherrin des Gender Awards ist Bundesfamilienministerin Lisa Paus.

„Der Gender Award bestätigt noch einmal, dass Tübingen gleichstellungspolitisch auf einem guten Weg ist“, freut sich Oberbürgermeister Boris Palmer. „Welche andere Stadt kann schon auf Geschlechterparität im Gemeinderat und auf 45 Prozent Frauen in Führungspositionen der Verwaltung verweisen?“ Auch bei der Gleichstellungsbeauftragten und den Mitarbeitenden der Stabsstelle Gleichstellung und Integration ist die Freude über den 1. Platz groß: „Gleichstellungsarbeit wird in Tübingen von vielen getragen – in Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft. Dieses Engagement wird nun ausgezeichnet“, sagt Luzia Köberlein. „Kommunale Gleichstellungsarbeit hat vielfältige Ziele und Aufgaben. Im Tübinger Aktionsplan haben wir sechs Handlungsfelder und 45 Maßnahmen benannt, die wir bis 2024 bearbeiten und umsetzen wollen. Handlungsfelder sind zum Beispiel Erwerbsarbeit und Sorgearbeit, Sicherheit und geschlechtsbezogene Gewalt, politische Partizipation und bürgerschaftliches Engagement oder Wohnen und Leben im Stadtteil. Es freut mich sehr, dass unsere gemeinsame Gleichstellungsarbeit über die Stadtgrenzen hinaus als besonders kreativ und vorbildlich gesehen wird.“

Und das ist die Begründung der Jury für den Gewinn des 1. Preises:

Tübingen ist als kleinere Kommune der Europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern beigetreten und hat einen umfangreichen Aktionsplan zur Umsetzung der Charta vor Ort aufgelegt.
Tübingen hat das Jubiläumsjahr zu 100 Jahren Frauenwahlrecht strategisch genutzt, um die EU-Charta bekannt zu machen und den Gleichstellungs-Aktionsplan vorzubereiten.
Deutlich erkennbar ist das Ziel, traditionelle Geschlechterstereotype und Rollenstrukturen aufzubrechen. Besonders gefallen hat der intersektionelle Ansatz, der die Probleme vielfältiger und sich überschneidender Diskriminierungen und Benachteiligungen aufgreift. Beispielhaft hierfür ist das Forschungs-, Ausstellungs- und Kultur-Projekt „Queer durch Tübingen“ des Fachbereichs Kunst und Kultur, des Stadtmuseums und des Stadtarchivs.
Als weiteres Alleinstellungsmerkmal sah die Jury das Gender-Mainstreaming in der städtischen Erinnerungskultur. Hier richtet die Stadt den Blick auch auf bisher unterrepräsentierte Gruppen und Gesellschaftsschichten. Anerkennung fand, dass Engagement und Schaffen von Frauen in der Stadt sichtbar gemacht werden, unter anderem auch mit dem Tübinger Komponistinnenfestival, das vom 29. September bis 8. Oktober 2023 stattfindet.
Auch die Förderung von Projekten zur Frauengeschichte oder das Vorhaben, mehr Straßennamen nach Frauen zu benennen, wurde positiv hervorgehoben.
Spezielle Anerkennung fand auch das Gender-Mainstreaming im Sportbereich: Die Fachabteilung Schule und Sport hat die Tübinger Sportlandschaft aus der Geschlechterperspektive analysiert und daraus Handlungsempfehlungen abgeleitet, die nun sukzessive umgesetzt werden. Diese sehen beispielsweise vor, zusätzliche Sportangebote für Mädchen – auch für Mädchen mit Migrationshintergrund – zu schaffen oder Sportvereine bei der Gewinnung von weiblichen Führungskräften zu unterstützen.
Punkten konnte die Stadt auch mit der Repräsentanz von Frauen in kommunalpolitischen Gremien: Bei der Gemeinderatswahl 2019 wurden 50 Prozent Frauen und 50 Prozent Männer in den Gemeinderat gewählt.
Weiterhin spricht für die Tübinger Gleichstellungsarbeit, dass die Verwaltung ein gemeinsames Führungsverständnis erarbeiten will, in dem auch „Führen in Teilzeit“ zum Thema gemacht wird. Die Jury bewertet dies als einen Schritt zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Karriere für Mütter und Väter.

„Gleichstellungsarbeit ist eine Querschnittsaufgabe, die sämtliche Aufgabenbereiche einer Kommune betrifft. Die Arbeit in der Stabsstelle Gleichstellung und Integration ist daher ganz besonders Netzwerkarbeit“, betont die städtische Gleichstellungsbeauftragte Luzia Köberlein.

Der Gender Award rückt kommunale Gleichstellungsarbeit als Fundament einer modernen Gesellschaft in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Er würdigt damit auch die Arbeit der kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten, die Geschlechterungerechtigkeiten benennen und dazu beitragen, dass vor Ort Strategien für gleiche Teilhabechancen und geschlechtergerechte Lebens- und Arbeitsbedingungen entwickelt und umgesetzt werden. Die Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen hat den Gender Award 2023 zum vierten Mal ausgelobt. Insgesamt 15 Kommunen hatten sich um den Preis beworben.

In der Kategorie „Kommunen mit weniger als 100.000 Einwohner_innen“ belegte Tübingen Platz eins, gefolgt von Flensburg auf dem zweiten Platz. In der Kategorie Großstadt erhielt Nürnberg den ersten Platz. Die Städte Mannheim und Köln teilen sich den zweiten Platz.

www.tuebingen.de/gleichstellung

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Pressemitteilungen der Stadt Tübingen und der Stadtwerke Tübingen
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